Brahm Revel
Autor und Zeichner GUERILLAS

Interview mit Brahm Revel

Autor und Zeichner von Guerillas

(Das Interview stellte uns freundlich weise Jim zu Verfügung, der es auch führte.)

Guerillas ist schnell ein Lieblingscomic von mir geworden, meine Liebe (einige sagen sogar Besessenheit) für Schimpansen spielt dabei sicherlich eine große Rolle. Aber dieser Comic ist einfach großartig. Ich hatte nie vorher von Brahm Revel gehört. Also las ich, was ich über Ihn finden konnte. Aber unter dem Strich blieben einige Fragen offen und Brahm war großzügig genug, mir Zeit für ein Interview zu geben.

Jim - Meine erste Frage an den Schöpfer ist eine Frage, die jeden Fan interessiert. Wer ist Brahm Revel und was trieb ihn an Comics zu machen? Was ist deine "Secret Origin"?

Brahm - Ich wurde in einem alten Hafenbezirk von San Francisco geboren und wuchs auch da auf. Ich lebte dort mit meiner Mutter und ein paar Mitbewohner in einem alten viktorianischen Haus. Später hörte ich, dass einige der Mitbewohner glaubten, dass es dort spukte. Es soll sogar eine sehr kalte Stelle in einem Flur gegeben haben. Ich habe sie allerdings nie bemerkt. Als ich ein wenig älter war zogen wir in ein eigenes Haus, ein paar Blocks weiter. Meine Mutter war sehr kreativ und ermutigte mich zum zeichnen. Ich war sehr jung und entdeckte Tim und Struppi und Asterix für mich. Irgendwie gab es immer Comics um mich herum. Trotzdem dauerte es bis zur sechsten Klasse bis ich in einen Comic Laden ging und mich die geballte Ladung der bunten Bilderwelt traf. Dort fand ich die alten schwarz-weiß Teenage Mutant Ninja Turtles Ausgaben und war sofort süchtig. Ich erkannte, dass es Menschen gibt, die diese Hefte machten und ich entschied damals schon, dass ich das auch wollte. Mit dem heranwachsen änderte sich auch mein Geschmack, aber ich blieb dem Medium treu und verbrachte viel Zeit damit herauszufinden, wie man diese verdammt unterhaltsamen Comics erschaffen kann. Ich besuchte eine Kunstschule in San Francisco und wechselte dann zu einem Art College in New York, wo ich jetzt lebe und arbeite. Guerillas ist meine erste komplett eigenständige Arbeit.

Jim - Was machst du, wenn du nicht gerade an deinen Zeichentisch gekettet bist oder an deinen Stories arbeitest.

Brahm - Was meinst du mit "Was machst du wenn du nicht gerade an deinen Zeichentisch gekettet bist, oder an deinen Stories arbeitest."? Vielleicht schlafen? Nein im Ernst, da bleibt nicht viel Freizeit zwischen schreiben und zeichnen. Wenn ich mir ein wenig freie Zeit gönne, beschäftige ich mich gerne mit Dingen die mich inspirieren, wie Bücher und Comics. Jeder Comic- Fan ist im inneren auch Sammler und so habe ich eine ziemlich beachtliche Sammlung angehäuft. Ich schaue auch gerne Filme und Fernsehen. Ich bin mit dem Fernseher aufgewachsen und ich scheue nicht zuzugeben, dass ich ihn liebe. Ich weiß nicht ob Bier und Whiskey als Hobbys gelten, aber die beiden mag ich auch. Und schließlich... Baseball! Ich liebe Baseball und insbesondere die New York Mets! Ich sehe oder höre so ziemlich jedes Spiel. Es ist toll während ich am Comic arbeite, im Hintergrund ein Spiel der Mets zu hören. Ein paar Freunde und ich haben unsere Namen auf einem Stein im neuen Stadion, das Sie für die Mets gebaut haben, geschrieben. Wenn ihr mir nicht glaubt, könnte ihr ja gerne suchen gehen...

Jim - Guerillas ist eine großartige Serie. Zu einem Drittel eine Kriegsgeschichte, ein Drittel ein Blick darauf wie Menschen mit Tieren umgehen und das letzte Drittel die persönliche Geschichte von John Clayton. Wie würdest du Guerillas beschreiben?

Brahm - Ich sehe Guerillas als einen coolen Action-Comic, indem man viele interessante Themen entdecken kann. Ich sehe in jeder Ausgabe ein Kapitel der Geschichte mit einem definierten Ende. Ich sehe wie Guerillas Monat für Monat um die typische Seitenzahl eines Heftes wächst. Ich versuche in jeder Ausgabe längere Sequenzen, die rein visuell erzählen, einzufügen. Ich bin nicht stark von Manga beeinflusst, aber ich denke was Katsuhiro Otomo mit Akira und Domu erreicht ist erstaunlich und ich versuche mit Ehrgeiz diese Art von Geschichten zu erzählen. Es gibt keine spezielle Botschaft die ich versuche mit Guerillas zu vermitteln, ich möchte nur eine interessante Geschichte mit erkennbaren Charakteren erzählen. Letztlich soll Guerillas mit jeder weiteren gelesenen Seite mehr bieten.

Jim - Wie war die Entwicklung dieser Geschichte? War es einfach das Wort Guerillas das dir die Idee gab oder hast du ein allgemeines Interesse am Vietnam-Krieg? Dein Geburtsdatum verrät uns ja, dass du zu jung bist um Vietnam mitbekommen zu haben und die letzten Kriege passen nicht zu deinem Konzept.

Brahm - So unglaublich es klingen mag, auf den Titel Guerillas kam ich erst ganz zum Schluss und ich dachte "Wow, das ist so offensichtlich... Warum hat das bisher noch keiner gemacht?" Dann bekam ich Angst, dass doch jemand die gleiche Idee, oder eine sehr ähnliche hat und damit schneller ist als ich. Ich hatte die Idee als ich Spielbergs "Der Soldat James Ryan" sah. Die Bilder der Soldaten die zu Fuß durch das zerbombte Europa liefen, erinnerten mich an einen Trupp Schimpansen die durch einen Dschungel wandern. Es war so einfach... Schimpansen im Krieg... Das könnte funktionieren! Ursprünglich wollte ich die Geschichte während des zweiten Weltkrieges ansiedeln. Vor allem wegen "Der Soldat James Ryan", aber das ergab keinen Sinn. Vietnam dagegen umso mehr... Dschungel Kriegsführung... Guerilla-Taktik... und eine Präsidentschaft die verzweifelt versucht diesen chaotischen Krieg nicht zu verlieren. Ich hatte keine besondere Affinität zu Vietnam, aber das war die Idee und ich folgte ihr einfach. Jim- John Clayton und seine Freundin Jane sind eine offensichtliche Hommage an Tarzan von Edgar Rice Burroughs. Bist du ein Fan seiner Arbeit oder fandest du es einfach lustig? Brahm- Tatsächlich sind sie eine Hommagen an den Edgar Rice Burroughs Tarzan. Leider muss ich beschämt zugeben, dass ich nie Tarzan gelesen habe. Unbewusst war es eine sehr frühe Inspiration, deren Ähnlichkeit ich erst später erkannte. Aus Sorge, dass der Einfluss von Tarzan zu groß sein könnte, habe ich das Buch nicht gelesen. Aber ich mochte die Idee mit den Namen und dachte das wäre nicht so offensichtlich…aber hey du hast mich!

Jim - Du arbeitest an Guerillas komplett alleine. Wenn du da einen Unterschied machen solltest, siehst du dich mehr als Zeichner oder Autor?

Brahm - Als ich jünger war hielt ich mich weniger für einen Autor. Mein Ziel war es immer ein Zeichner bei Marvel oder DC zu werden. Ich nahm an, dass ich dann meine eigenen Autoren und Inker hätte. Zu Beginn würde ich sagen, sah ich mich mehr als Zeichner. Aber ich bin auch ein Kontroll-Freak und als ich in meinen frühen Anfängen mit anderen an Projekten arbeitete, wurde mir klar, dass ich eine klare Vision von dem Verlauf von Geschichten habe. wollte. Ab diesem Punkte sah ich mich als Autor. Ich möchte mit meinen Zeichnungen in erster Linie die Geschichte unterstützen, sie hübsch aussehen zulassen kommt danach. Zurzeit ist es auch schwierig für mich Cover oder Pin-Ups für die Hefte zu gestalten. Da sie ganz allein für sich stehen und nicht Teil der Geschichte sind. Sie bieten mir fast zu viele Freiheiten von der eigentlichen Geschichte.

Jim - Dies ist ja eine neunteilige Serie und ich vermute dass du in den Grundzügen die einzelnen Kapitel bereits fertig hast. Wie gehst du da genau vor. Arbeitest du mit Vorzeichnungen, einer Art Drehbuch oder Notizen?

Brahm - Das ist ein kleines Chaos. Tatsächlich zeichne ich die Geschichte grob vor und weiß wie ein Kapitel oder ein Hefte enden soll. Dazu kommen meine Notizen, die ich im Zuge meiner Recherchen gemacht habe. Dann versuche ich Dinge, die ich vor Monaten aufgeschrieben habe, in die Geschichte einzubauen. Dinge wie Dialoge, Szenerien, Beobachtungen oder Details die in das Thema des Heftes passen. Danach mache ich etwas detailliertere Vorzeichnungen und versuche die einzelnen Seiten zu gestalten. Eine Seite für die eine Szene, drei Seiten für die andere Szene usw. Am Ende sehe ich wie viele Seiten es werden. Ich gebe mir zwar keine strikte Seitenzahl vor, aber versuche so auf 48 Seiten zu kommen. In den ersten vier Heften schwankte die Seitenzahl zwischen 44 und 52 Seiten. Wenn ich mit der Seitenzahl zufrieden bin, starte ich mit dem Seitenlayout. Dazu schreibe ich die Texte vor und schaue, ob sie in das Layout passen. Wenn sie zu groß sind, muss ich sie kürzen oder komplett ändern. Hier ist es ein Vorteil, wenn man Autor und Zeichner in einer Person ist. Das Layouten der Seiten ist für mich der aufregendste Teil. Es ist wie ein Puzzle. Man fügt viele kleine Teile zusammen und bekommt eine große Geschichte. Dann beginne ich mit den Reinzeichnungen der fünfzig oder mehr Seiten.

Jim - Beim recherchieren auf deinem Blog habe ich gesehen das du auch Storyboards machst. Wo genau liegt der Unterschied zwischen Storyboards und Comics?

Brahm - Man arbeitet bei Storyboards immer mit Geschichten von anderen Autoren. In der Regel arbeite ich dann nach einem Drehbuch oder bekomme Notizen nach denen ich versuche das geschriebene visuell umzusetzen. Manchmal bekomme ich auch nur eine lose Vorgabe für eine Szene, die dann auch mehr als Inspiration, vielleicht auch als Ansatz für weitere dient. Beides ist jedenfalls ein prima Training wie man visuell Geschichten erzählen kann. Man lernt quasi filmisch darzustellen, wie ein Regisseur zu sehen und Szenen zu schneiden. Es ist zwar nicht grundliegend wichtig für Comics, es tut aber auch nicht weh. Das Schöne an Storyboards ist, dass man nicht perfekt zeichnen muss. Man erwarten zwar jede Menge Einzelbilder von dir, aber die können dann auch grob sein. Manchmal kommen da aber auch sehr schöne Zeichnungen bei raus.

Jim - Wo und wie möchtest du Guerillas noch sehen? Vielleicht als Gesamtausgabe in gebundener Buchform?

Brahm - Sehr gerne würde ich irgendwann Guerillas als Gesamtausgabe sehen wollen. Ich mag es an Comics zu arbeiten. Ähnlich wie an einem Film oder Roman.Du arbeitest an einem Projekt für ein oder zwei Jahre und gehst dann zum nächsten über. Dann macht es Sinn die einzelnen Teile zu einem Ganzen zusammen zu bringen. Das soll nicht heißen, dass ich die Hefte nicht mag, ganz im Gegenteil. Ich liebe an Comics, dass sie Heft für Heft ein Teil einer Geschichte sind und mit Cliffhangern enden. Es macht doch Spaß anschließend auf das nächste Heft zu warten, um zu sehen wie es weitergeht und nur der Abverkauf der Einzelhefte, sichert später die Gesamtausgabe.

Jim - Was ist mit deinen Originalseiten? Verkaufst du oder archivierst du sie? Gibt es überhaupt welche oder entsteht alles am Computer?

Brahm - Es gibt sie, aber bisher habe ich noch keine Seiten verkauft. Bisher stapel ich sie, vielleicht verkaufe ich sie später mal. Nachdem ich also das Seitenlayout stehen hab, beginne ich mit den Reinzeichnungen. Dazu nehme ich einen blauen Bleistift. Danach schärfe ich die Konturen mit einem normalen Bleistift nach. Wenn ich damit fertig bin, vergrößere ich die Seiten auf das übliche Vorlagenformat (10 x 15 inches). Auf einem Lichtkasten tusche ich die Seiten dann. Ich benutze einen #2 Windsor Newton Serie 7 Pinsel zum Tuschen und Einwegfilzstifte für die Ränder. Für das Lettering benutze ich Comic-Fonts. Ich drucke die Texte aus und füge sie dann in die Seiten ein. Ich denke das sieht dann nicht so nach Computer aus. Außerdem mag ich dass man quasi die Originalseiten schon lesen kann. Dann scanne ich die Seiten und füge mit Photoshop die Grauschattierungen ein.

Jim - Hast du andere Comic-Projekte in Arbeit?

Brahm - Neben Guerillas arbeite ich an einer Film-Adaption von "I Sell the Dead" (zum Zeitpunkt des Interviews noch nicht erschienen.) und wie du dir sicher vorstellen kannst geht es um Grabräuber. Glenn McQuaid führt Regie und Dominic Monaghan (Lost, Herr der Ringe, Ron Perlman (Hellboy, City of Lost Children) and Angus Scrimm (Phantasm) spielen in den Hauptrollen. Das wird ein netter Film der sich von den EC Horror Comics der 50er und den Hammer Filmen der 70er inspirieren lässt. Der Comic dazu wird 48 Seiten haben und in Farbe sein. Es ist noch nicht sicher wann er erscheint, aber das wird zusammen mit dem Filmstart sein. Im Moment wird er auf einigen Festivals gezeigt.

Jim - Wirst du jemals für die großen Zwei (DC und Marvel) arbeiten? Wenn ja, welche Charaktere würden dich am meisten reizen?

Brahm - Klar, in einem kleinen Rahmen wie ein One-Shot oder einer Anthologie wie Batman Black and White. Aber nicht an einer Serie die Monat für Monat erscheint. Ich war ein großer X-Men Fan, aber die haben so viele Veränderungen durch gemacht, dass ich da kaum noch jemand im Team wiedererkenne. Wolverine war immer mein Liebling, also eine solo Wolverine Geschichte würde mir Spaß machen. Frank Miller's Daredevil war eine große Inspiration für mich und ich mochte seinen Film-Noir Style, so etwas wäre auch Klasse. Batman und Spider-Man sind prima zu zeichnen, da hätte ich Spaß dran. Superhelden waren ein Teil meines Lebens, es wäre toll etwas in dem Genre zu machen.

Jim - Siehst du irgendeine Möglichkeit Beppo the Super Monkey (einer von Superman's tierischen Freunden) in Guerillas einzubauen?

Brahm - Nein ich denke nicht das es Beppo in Guerillas schafft ohne das ich verklagt werde. Ich weiß, meine Affen können nicht fliegen. Dafür kennen sie sich aber super mit der Technik der 60er Jahre aus und… hey sie haben Maschinenpistolen… ist doch auch nicht schlecht oder?

Jim - Wie hart war es in den Markt zu kommen?

Brahm - Das Problem war, dass ich total unbekannt war. Leser greifen immer gern zu Leuten die sie kennen und denen sie vertrauen. Da hatte ich nichts vorzuweisen, aber irgendwo musste ich ja anfangen. Einerseits ließ viele Leser zögern, dass es ein schwarz/weiß Heft ist. Andererseits gibt es viele Leser die sagen, dass gerade das die Serie ausmacht. Der Preis von $5,99 pro Heft schreckt manche vielleicht auch ab. Aber alle drei Monate $6,00 für ein 56 Seiten Heft auszugeben ist wirklich kein großes Investment. Kommt schon Leute, gebt dem Heft eine Chance. Es sind Affen mit Maschinenpistolen… was wollt ihr mehr.

Jim - Was möchtest du den deinen Lesern mit auf dem Weg geben?

Brahm - Persönlich: Das sie denken, dass ich ein talentierter Autor bin auf den sie in Zukunft ein Auge haben. ;-) Für Guerillas: Zuerst das sie sich gut unterhalten haben. Dann, dass die Geschichte, die ich auf verschiedenen Ebenen erzähle, jeden mit eigenen Erfahrungen bereichert und dies auch zurückgeben kann. Aber es ist ein Comic und er soll Spaß machen.

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